Ist das was für dich?
Kapitän:in wird man nicht über Nacht, aber auch nicht mit Diplom. Du brauchst keine Kochausbildung. Du brauchst Lust, Verantwortung zu übernehmen. Wenn du bei den meisten Punkten nickst, bist du hier richtig:
- Du kochst gern für viele und probierst gern aus, was gerade da ist.
- Du willst, dass Menschen ins Gespräch kommen, auch außerhalb deiner eigenen Blase.
- Gewaltfreiheit ist für dich nicht verhandelbar. Du trittst mit Gesicht und Namen auf und machst niemanden schlecht.
- Du kannst dir vorstellen, ein paar Stunden pro Woche regelmäßig mit dem Rad unterwegs zu sein.
- Du hältst Absprachen ein und sagst rechtzeitig, wenn etwas nicht geht.
- Du willst lernen und gibst weiter, was du gelernt hast.
Vom Matrosen zur Kapitänin
Niemand legt allein ab. Du gehst die fünf Stationen in deinem Tempo, und an jeder Station gibt es Menschen aus der Flotte, die dich begleiten.
Du fährst bei einem bestehenden Schiff mit: abholen, kochen, aufbauen, servieren, zuhören. Ziel: mindestens fünf Fahrten in verschiedenen Rollen.
In einem Gespräch mit einem Lotsen klärst du, wofür du brennst und wo du anlegen willst. Daraus entsteht der Name deines Schiffs: ein Wort.
Du sammelst drei bis acht Menschen, die mitfahren wollen. Kapitel 5 zeigt, wie das geht.
Deine erste eigene Fahrt, mit Lotse an Bord und einem kleinen Fest für dein Viertel.
Du fährst selbstständig, nimmst Aufträge an und bleibst Teil der Flotte. Irgendwann begleitest du selbst neue Matrosen.
Finanzieren ohne Existenzangst
Unser Ziel: Jede Kapitänin, jeder Kapitän hat eine Grundsicherung von etwa 500 bis 800 € im Monat. Damit bleibt Kraft für das, worum es eigentlich geht: Menschen an einen Tisch bringen. Das Geld kommt aus drei Quellen.
Im öffentlichen Raum, bei Versammlungen und in der Nachbarschaft. Ein empfohlener Unkostenbeitrag steht gut sichtbar dabei, niemand wird weggeschickt. Mehrwegteller gibt es gegen Pfand.
Vereine, Initiativen und Gemeinden haben oft Fördergeld für Verpflegung. Für sie kochst du zu einer vereinbarten Pauschale, abgerechnet über den Verein der Flotte.
Menschen, die die Idee tragen wollen, ohne mitzukochen, zahlen einen kleinen Monatsbeitrag. Dazu kommen Förderungen für Nachbarschaft, Klima und Demokratie.
Rechne deinen Monat durch
Die vorausgefüllten Werte sind ein Beispiel, keine Erfahrungszahlen. Trag nach deinen ersten Fahrten echte Werte ein. Kosten pro Einsatz meint Gas, Gewürze, Öl, Zukäufe und Verschleiß.
Rechtsform, Versicherung, Anmeldung
Die einfachste Lösung für den Start: Ein gemeinnütziger Verein ist der Heimathafen der Flotte. Er schließt Verträge mit Auftraggebern, nimmt Spenden an, hat eine Haftpflichtversicherung und beschäftigt die Kapitän:innen. Du musst dafür kein Gewerbe anmelden und keine Gastro führen.
| Thema | Was gilt | Stand 2026 |
|---|---|---|
| Geringfügig beim Verein angestellt | Bis zu dieser Grenze zahlst du keine Lohnsteuer und keine eigenen Sozialversicherungsbeiträge. Unfallversichert bist du automatisch. | 551,10 € / Monat |
| Kranken- und Pensionsversicherung dazu | Mit der Selbstversicherung bei der ÖGK bist du auch kranken- und pensionsversichert. Antrag innerhalb von sechs Wochen nach Beginn stellen. | 83,49 € / Monat |
| Mehr als die Grenze | Ab 551,10 € bist du voll versichert. Das kostet den Verein mehr Abgaben, schützt dich aber besser. Lohnt sich, wenn die Flotte trägt. | voll versichert |
| Eigenes Gewerbe (später) | Wer selbst verkaufen will, kann das freie Gastgewerbe anmelden: einfache Speisen, alkoholfreie Getränke, höchstens 8 Steh- oder Sitzplätze, kein Befähigungsnachweis. | max. 8 Plätze |
Buffet als Versammlung
Ein Buffet im öffentlichen Raum mit einem Anliegen ist eine Versammlung. Melde es mindestens 48 Stunden vorher bei der Landespolizeidirektion an (in Wien online). Ausgenommen sind nur echte Spontanversammlungen, die aus einem aktuellen Anlass entstehen. Ein geplantes Buffet zählt nicht dazu.
Versicherung
- Haftpflicht: Der Verein der Flotte schließt eine Vereinshaftpflicht ab, die alle Fahrten abdeckt.
- Unfall: Angestellte Kapitän:innen sind über die Anstellung unfallversichert. Für ehrenamtliche Crew lohnt sich eine Nachfrage beim Bundesland, manche versichern Freiwillige kostenlos.
- Radschiff: Teure Lastenräder kannst du gegen Diebstahl und Schäden versichern.
Dieses Kapitel ersetzt keine Rechtsberatung. Die Zahlen stammen aus den Quellen am Ende und können sich ändern. Im Zweifel helfen ÖGK, Arbeiterkammer und die Vereinsberatung deines Bundeslands.
Deine Crew aufbauen
Eine Crew hat drei bis acht Menschen. Jede und jeder tut, was sie richtig gut kann. Diese Rollen haben sich bewährt, eine Person kann auch mehrere übernehmen:
Kocht, schmeckt ab, kennt die Rezepte und achtet auf Allergene.
Holt Lebensmittel ab, pflegt die Kontakte zu Betrieben und Solawis.
Kümmert sich um Rad, Anhänger, Aufbau und Werkzeug.
Führt die Kasse, das Pfand und das Logbuch mit Kilo und Gästen.
Spricht Menschen an, lädt zum Bleiben ein und hört zu.
So findest du deine Leute
- Lade Menschen zum Mitessen ein, nicht zum Mitarbeiten. Wer satt und glücklich ist, fragt von selbst, wie man mitmachen kann.
- Leg bei jedem Buffet eine Liste „Heuer an“ aus und verlinke das Formular der Flotte.
- Biete eine Probefahrt an: einmal mitkommen, ohne Verpflichtung.
- Halte einen festen Rhythmus, etwa jeden zweiten Samstag. Regelmäßigkeit bindet mehr als große Aktionen.
- Iss nach jeder Fahrt gemeinsam mit der Crew und frag: Was war schön? Was machen wir anders?
Ressourcen
Lebensmittelquellen
- Supermärkte und Bäckereien über Abholgruppen auf karrot.world. Abgeholt wird nur mit Rad, Lastenrad oder Radanhänger.
- Solidarische Landwirtschaften haben oft Überschüsse in der Erntezeit.
- Märkte am Ende des Markttags, mit einer freundlichen Frage an die Standler:innen.
- Gezielte Zukäufe für Grundzutaten wie Reis, Linsen, Öl und Gewürze. Mindestens die Hälfte der Zutaten bleibt gerettet.
Dein Radschiff
- Leihen: Viele Städte haben Gratis-Leihlastenräder, in Wien etwa das Grätzlrad. Für den Anfang reicht das.
- Bauen: Ein Radanhänger mit Kochkiste ist günstiger als ein Lastenrad. Die Flotte teilt Baupläne und Werkzeug.
- Teilen: Mehrere Crews können sich ein Schiff teilen, solange jede ihren eigenen Namen und Kurs hat.
- Ganz ohne Radschiff: Du kannst auch zu Hause, in der WG oder in einer Vereinsküche kochen und das Essen in Thermoboxen mit dem Einkaufstrolley, dem Radanhänger oder den Öffis zur Versammlung bringen. Für 10 bis 30 Menschen reicht das oft völlig.
Packliste für ein Buffet
- Kocher mit sicherem Stand, Töpfe, Schöpfer, Schneidbretter, Messer
- Thermoboxen für warme Speisen, Kühlbox für Empfindliches
- Händewaschstation: Kanister mit Hahn, Seife, Papiertücher, Auffangkübel
- Mehrwegteller und Besteck, Pfandkasse, Spendenbox mit Schild zum Unkostenbeitrag
- Klapptisch, Tischtuch, Schild mit Schiffsnamen, Allergen-Tafel
- Westen, Handschuhe, Müllsäcke, Erste-Hilfe-Set
Hygiene und Lebensmittel
Gerettet heißt nicht zweite Wahl. Wir servieren nur, was uns selbst schmeckt und was sicher ist.
„Mindestens haltbar bis“ ist kein Ablaufdatum. Danach ist ein Lebensmittel oft noch einwandfrei: anschauen, riechen, kosten.
„Zu verbrauchen bis“ gilt streng. Ist es überschritten, wird das Lebensmittel nicht mehr verkocht.
Gekühltes bleibt gekühlt, auch am Rad. Warmes bleibt heiß oder wird schnell abgekühlt.
Die 14 Hauptallergene müssen Gäste erfragen können. Am einfachsten ist eine Tafel am Buffet.
Dein erstes Buffet
- Eine Woche vorher
Ort und Anlass festlegen, Crew einteilen, Lotsen fragen, Abholungen planen. Bei Aufträgen: Pauschale und Gästezahl schriftlich festhalten.
- Drei Tage vorher
Versammlung anmelden, spätestens 48 Stunden vorher. Einladung teilen: im Viertel, in Gruppen, in sozialen Medien.
- Am Vortag
Lebensmittel abholen und sichten, Menü festlegen, Allergen-Tafel schreiben, Packliste abhaken.
- Am Tag
Kochen, vorkosten, aufbauen, Händewaschstation zuerst. Menschen persönlich einladen. Zuhören ist genauso wichtig wie Schöpfen.
- Danach
Abbauen, Platz sauberer verlassen als vorgefunden, Reste verteilen. Ins Logbuch: gerettete Kilo, Gäste, Einnahmen. Gemeinsam essen und auswerten.
Die Flotte trägt dich
Du fährst dein eigenes Schiff, aber nie allein. Das ist der Kern gegenseitiger Hilfe.
- Kapitänstreffen einmal im Monat, natürlich mit Essen: Erfahrungen teilen, Aufträge verteilen, einander zuhören.
- Lots:innen begleiten neue Schiffe bei den ersten Fahrten und sind ansprechbar, wenn es klemmt.
- Gemeinsames Rezeptbuch mit Gerichten, die für große Mengen und wechselnde Zutaten funktionieren.
- Gemeinsame Ausrüstung für Reparaturen, Ersatzteile und große Einsätze.
- Aufträge teilen: Ist ein Auftrag zu groß für eine Crew, fahren zwei Schiffe gemeinsam.